WAZ, 05.11.2014

Essen. Die Film-Autorin Jelena Jeremejewa ging früher ans Unesco-Aufbaugymnasium in Essen. Am Samstag zeigt der WDR ihre Dokumentation über Migranten, die jetzt dort zur Schule gehen. Die Schule steht heute vor allem Kindern und Jugendlichen aus internationalen Kriegs- und Krisengebieten offen.

Eine ehemalige Schülerin des Unesco-Aufbaugymnasiums im Südostviertel hat ihrer Schule ein filmisches Denkmal gesetzt. Der WDR sendet eine 30-minütige Dokumentation über vier Jugendliche, die derzeit die Schule besuchen. Das Unesco-Aufbaugymnasium ist eine Besonderheit, weil es nur Schüler in bestimmten Jahrgangsstufen aufnimmt. In den 50 Jahren seines Bestehens hat es sich von einer Schule, die sich an Arbeiterkinder richtet, gewandelt – hin zu einem Haus, das vor allem Kindern und Jugendlichen aus internationalen Kriegs- und Krisengebieten offensteht.

„Ich habe die Zeit am Aufbaugymnasium gut in Erinnerung“, sagt Jelena Jeremejewa (32), die heute als Filmautorin arbeitet. Vor 20 Jahren war sie mit ihrer Mutter aus Kiew in der Ukraine gekommen, sprach kaum Deutsch. Im Jahr 2001 absolviert sie an der Unesco-Schule dann das Abitur, Leistungskurse: Englisch und Deutsch. „Vor allem das Vertrauen, das die Lehrer in uns gesetzt haben, hat mich geprägt.“


„Irgendwo dazwischen“.


Während ihrer Schulzeit lebte Jelena Jeremejewa in der Hochhaussiedlung Hörsterfeld, nach dem Abi war ihr klar: „Ich will weg aus Essen.“ Es verschlug sie zunächst nach Österreich, dann an die Filmakademie Baden-Württemberg, heute lebt sie in Stuttgart.
Im Film lässt sie Schüler Ahmed zu Wort kommen, zwölf Jahre alt, er ist erst seit Kurzem in Deutschland, floh in Syrien vor dem Bürgerkrieg. Oder Schüler Arif, er kam ohne Eltern aus Afghanistan, gerade mal 15 Jahre alt war er da, Schlepper hatten ihn durch Pakistan, den Iran, die Türkei und Griechenland geschleust. Deswegen hat er Schulden. Immerhin: Er hat einen Freund gefunden – Johnson, geflüchtet aus Liberia.

Die Filmemacherin Jelena Jeremejewa hat ihren Film „Irgendwo dazwischen“ genannt. Es geht ihr um das Gefühl, als Migrantin zwischen zwei Welten zu leben. „Das Thema Ukraine ist auch für mich nicht abgeschlossen“, sagt sie. „Ein Großteil meiner Familie ist ja noch dort, Freunde wohnen in Kiew.“ Entsprechend oft sei sie in ihrer alten Heimat. Der WDR nennt es so: Die Autorin hat „die Sprachlosigkeit und das Alleinsein der Schüler erlebt. Mit dem Film tastet sie sich an das Gefühl von damals heran, an das Gefühl des Fremdseins und des Ankommens.“

Martin Spletter