WAZ Essen, 26.04.2015

Von Julia Gresförder

 

Bei der Gala Essens Beste wurden junge Menschen geehrt, die nicht nur durch Leistungen beeindrucken. Sie verrieten auch, was sie mit 5000 Euro Preisgeld machen.


Über zu wenig Engagement von Jugendlichen kann sich Essen nicht beschweren: 617 junge Menschen wurden in diesem Jahr für den Preis „Essens Beste“ vorgeschlagen. 24 der 14- bis 27-Jährigen kamen in die Endauswahl. Bei einer berührenden Gala in der Philharmonie wurden am Freitagabend die Gewinner vorgestellt und ihre Leistungen gewürdigt. Ganz nebenbei soll die Auszeichnung die jungen Menschen zu Vorbildern machen, denen andere nacheifern. Vergeben werden die Preise von je 5000 Euro vom Jugendamt und Sponsoren aus Wirtschaft und Stadtgesellschaft. Schirmherr ist OB Reinhard Paß, der am Freitag per Videobotschaft gratulierte: „Die Preisträger haben Herausragendes geleistet.“

Eine von ihnen ist Lisa Hünemeier, sie gewann den Preis in der Kategorie Ausbildung, der von der Interessengemeinschaft Essener Wirtschaft (IEW) gestiftet wird. Laudator Frank Grone von der IEW hob hervor, dass Lisa Hünemeier allen Veränderungen der Arbeitswelt standgehalten und gezeigt habe, dass Scheitern zum Leben gehört.
Schweren Herzens hatte sie ihr Studium zur Grundschullehrerin abgebrochen – um dann ihre Berufung in der Dualen Ausbildung zur Industriekauffrau zu finden. Obwohl sie die Ausbildung um ein Jahr verkürzte, bestand sie am Ende mit „Sehr gut“ – und studiert nun neben Job studiert.
Auch der Gewinner des Kunst-Preises der Stiftung Mercator, Sven Dierkmann, beeindruckte wohl ebenso durch Leistung wie durch seinen Lebensweg: Der gelernte Erzieher bewarb sich an der Folkwang-Schule – und wurde angenommen, obwohl er kein Abitur hatte. Den Sinneswandel habe er den Kindern zu verdanken, mit denen er arbeitete: Wie sollte er ihnen vermitteln, ihren Träumen zu folgen, wenn er es selbst nicht tat? „Ich hatte nicht genug Selbstbewusstsein und meine Freunde mussten mich dazu bringen, mich zu bewerben. Sie haben immer an mich geglaubt, dafür bin ich ihnen dankbar“, sagte Sven Dierkmann.

Als Dolmetscherin in Altendorf unterwegs
Völlig ungläubig nahm auch Iman Ahmad Hassan den Sonderpreis entgegen. Die junge Frau hat syrisch-libanesische Wurzeln und setzt sich für die Förderung von Mädchen in der muslimischen Gesellschaft ein. Außerdem hilft sie in ihrem Stadtteil Altendorf Familien als Dolmetscherin, sich zurechtzufinden. „Sie vermittelt zwischen den Kulturen“, lobte Jugendamtsleiterin Annette Berg.

Mit einem „Ja, Cricket...“ nahm Arifullah Jamal den Sportpreis der Sparkasse Essen von Vorstand Oliver Bohnenkamp entgegen. Ein Preis, bei dem es nicht nur um Bestleistungen, sondern auch um den Hintergrund der Geehrten geht: So kam Arifullah vor fünf Jahren als Flüchtling nach Deutschland und gründete den „Essener International Cricket Club“ auch, um sich beim Einleben im fremden Land zu helfen: „Cricket erinnert mich an meine Kindheit in Afghanistan. Das Spiel ist für viele Flüchtlinge das einzige, was sie haben“, erklärte er seine Liebe zum Spiel. Sein Talent brachte ihn schon in die deutsche U19-Nationalmannschaft.

Der Schüler-Preis ging an Jennifer Krieger, die mit 16 Jahren bereits Abitur macht, nebenbei Vorlesungen zur Neurobiologie an der Uni Bochum belegt und mit der Robotik-AG ihrer Schule bereits einige Auszeichnungen errungen hat. Für Laudator Frank Grone ist sie darum auch eine heiße Anwärterin für den Innovations-Preis, der in diesem Jahr nicht vergeben werden konnte. „Sie ist eine junge Frau mit enormen technischen Verstand.“

Über vielfältige Bewerbungen freute Christian Pflug, Chefredakteur von Radio Essen, das den Ehrenamts-Preis vergibt. Den räumte am Ende Cedrik Pelka ab, weil er gleich mehrfach aktiv ist: Der Schüler leitet eine Jugendgruppe, organisiert einen Austausch mit einem Partnerjugendhaus in Bosnien, hat eine Zeitung gegründet und ist Schulsprecher. Außerdem ist er als Messdiener in der Kirche aktiv und pfeift als Schiedsrichter Fußballspiele bis zur Landesliga.

Junge Talente von den Tanzstudenten der Folkwang-Uni bis zum Deutschen Meister im Skaten sorgten für den gelungenen Rahmen der Gala, bevor der Abend mit einer gemeinsamen Siegesfeier ausklang: Gewonnen haben an diesem Abend schließlich nicht nur die Preisträger.

Preisgeld wird in Döner und Reisen angelegt
Mit 5000 Euro wurden die Gewinner für ihr Engagement belohnt – die meisten konnten es kaum fassen. Einige hatten aber doch genaue Vorstellungen, was sie mit dem Preisgeld machen, andere wollen es sparen. „Ich möchte nach dem Abi studieren und habe gehört, dass man als Student immer gut Geld benötigen kann“, sagt Cedrik Pelka (Ehrenamtspreis). Auch Jennifer Krieger, Gewinnerin des Schülerpreises, wird ihren Gewinn für das Studium sparen. Mit so viel Geld hat die Preisträgerin in der Kategorie Ausbildung nicht gerechnet: „Ich denke, dass ich erst einmal einen Urlaub machen werde, vielleicht in der Türkei. Den Rest spare ich“, so Lisa Hünemeier.

Arifullah Jamal möchte mit seinem Preisgeld die erste Cricketmannschaft seines Vereins unterstützen. „Die Spieler sind entweder Studenten oder Flüchtlinge, haben also alle nicht sehr viel Geld. Aber vorher lade ich alle meine Mitschüler zum Essen ein“, erklärt der Gewinner der Kategorie Sport.

An eine Essens-Einladung denkt auch Iman Ahmad Hassan: Sie will ihren Gruppen eine Runde Döner spendieren. Ganz andere Pläne hat Sven Dierkmann (Kunstpreis): Er möchte im Oktober in die USA reisen und dort an Community-Centern Kindern beibringen, sich durch die Kunst auszudrücken – ohne ihnen Vorgaben zu machen: „Mir geht es darum, dass die Kinder frei in ihrer Entscheidung sind, wie sie das machen möchten.“