STEPHAN HERMSEN, WAZ ESSEN, MITTWOCH 4. JULI 2001

Mit einer Schulversammlung macht das Aufbaugymnasium auf seine einzigartige Position bei der Ausbildung von ausländischen Jugendlichen in Essen aufmerksam.

Einen Tag nach der Alfred Krupp Schule hat ein zweites Innenstadt-Gymnasium seiner Angst vor der Schließung Ausdruck verliehen. Die Schülerinnen und Schüler des Aufbaugymnasiums an der Steinmetzstraße versammelten sich zu einer Protestkundgebung auf dem Schulhof. Schuldezernent Oliver Scheytt lobte die Schule, an der ab Klasse 7 gut 500 Schüler betreut werden, als "Schmuckkästlein", machte aber klar, dass offen sei, ob die Schule allein weiter existieren könne.

Während Schulexperten aller Parteien mit einem Know-How-Transfer die anerkannt gute Leistung bei der Förderung ausländischer Schüler an andere Schulen transferieren wollen, fürchtet Schulleiter Norbert Kleine-Möllhoff, dass ein Zerreißen des Kollegiums die geleistete Arbeit zunichte macht. "Nur hier sind Ausländer keine Minderheit", beschreibt Kleine-Möllhoff seine Schülerschaft: 238 Schülern mit deutschem Pass (darunter zahlreiche Aussiedler) stehen 264 Schüler aus 36 Nationen gegenüber - rund ein Viertel aller ausländischen Gymnasiasten in Essen.
Dass sein Gymnasium bei 29 Anmeldungen in Klasse 7 als zu klein gilt, will er so nicht hinnehmen: "Unsere Förderklassen mit zweimal 15 Schülern werden nicht mitgerechnet", ärgert er sich. So würde aus der einen 7. Klasse des vergangenen Jahres im Verbund mit den Förderklassen nun zwei achte Klassen. Und dass von den 61 Abiturienten in diesem Jahr die besten vier keinen deutschen Pass hätten, beweise, wie viele Bildungsreserven bei den ausländischen Jugendlichen schlummern. "Wir sind die Schule der zweiten Chance."