WAZ Essen, 2. Dezember 2002

Städtisches Aufbaugymnasium heißt jetzt Unesco-Schule

"In der ganzen Welt die Achtung vor den Völkern ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion zu stärken", fordert die Unesco-Charta. Das Aufbaugymnasium an der Steinmetzstraße lebt diese Forderung - jeden Tag aufs Neue.

"An unserer Schule wird viel diskutiert, aber es gibt keine Schlägereien", sagt Cigdem. Die 18-jährige Deutsche mit türkischer Herkunft besucht das städtische Aufbaugymnasium, gemeinsam mit weiteren 550 Schülern aus 40 Nationen. "Hier fühle ich mich gut aufgehoben und akzeptiert", erklärt Manuela aus Kroatien. Die Schülerinnen sind stolz darauf, dass sich ihre Schule jetzt Unesco-Schule nennen darf. "Ein richtiger Name ist wichtig", sagt Magdalena aus Argentinien. Und Milena, zur Hälfte Spanierin, pflichtet ihr bei: "Bei Aufbaugymnasium gucken alle komisch, das klingt direkt so abwertend."

Das findet auch Lehrerin Sigrid Becker: "Wenn viele Ausländer zusammenkommen, wird häufig sofort ein niedriger Stand vorausgesetzt", sagt die Unesco-Projekt-Koordinatorin. Dass die vielfältigen Hintergründe der Jugendlichen dabei aber einen interessanten Austausch ermöglichen, werde oft übersehen. Um den kulturellen Reichtum der Schüler an die Öffentlichkeit zu tragen, veranstaltet das Gymnasium unter anderem die Lese-Reihe "Literatur ohne Grenzen" am Grillo-Theater. Die Erfahrung der "Einen Welt", wie sie die Unesco fordert, machen die Schüler damit auch für Außenstehende zugänglich.

Schulleiter Norbert Kleine-Möllhoff betonte in der Feierstunde, den Namen Unesco-Schule zu tragen sei Auszeichnung für die erfolgreiche Integrationsarbeit und zugleich Verpflichtung, alle Formen von Rassismus auszumerzen, gerade in einer Welt, die durch kulturelle Spannungen geprägt sei. Für die Schüler ist das keine Frage. Sie feierten den neuen Namen ihrer Schule mit begeistertem Applaus.

Katja Büchsenschütz