Vitaly Guryn, Youri Markous, Karen Avagian
(Klasse 9a, Unesco-Schule Essen)

Der 17-jährige Evan Khamo kam vor zwei Jahren nach Deutschland, weil ihm im Irak die Einberufung drohte.

Zeus: Evan, du bist als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Welche Gründe hattest du dafür?

Evan Khamo: Erstens wurde ich gezwungen, der "Albath Partei" beizutreten, und zweitens sollte ich in die so genannte "Jerusalem Armee" gehen, die eine antiisraelische Armee ist. Neben diesen Hauptgründen gibt es noch weitere. So wurde ich auch wegen meiner katholischen Religion verfolgt.

Zeus: Bist du als Exiliraker für diesen Krieg?

Evan Khamo: Ich bin verzweifelt: Auf der einen Seite bin ich dafür, weil ich wie die Menschen, die im Irak leben, ein Ende der totalitären Regierung will. Das irakische Volk lebt nicht richtig, es versucht in einer Atmosphäre der ständigen Angst um das eigene Leben oder das der Kinder und die Freiheit zu überleben. Iraker sagen: "Wir sterben lieber einmal, als langsam Tag für Tag", so wie die Deutschen sagen: "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende."
Auf der anderen Seite bin ich natürlich auch gegen den Krieg, weil der Irak meine Heimat ist. Meine Freunde und Verwandte leben dort, und es wird viele menschliche Opfer geben. Ich weiß nicht, ob ich meinen Vater und meine Schwester je wieder sehen kann. 

Zeus: Vermisst du deine Freunde?

Evan Khamo: Na klar. Aber noch schlimmer ist, dass ich nicht weiß, ob sie morgen noch am Leben sind.

"Lieber einmal sterben als langsam Tag für Tag"

Zeus: Glaubst du, dass du nach dem Krieg wieder zurück in den Irak kannst?

Evan Khamo: Ich glaube, es wird nicht so einfach. Für viele Menschen im Irak, besonders im Süden des Landes, ist dieser Krieg keine politische Aktion, sondern ein Religions-Krieg zwischen den Christen und Muslimen. Andererseits gibt es im Süden aber auch die Schiiten, die kein Blutvergießen mehr wollen.

Zeus: Hattest du in Deutschland irgendwelche Probleme wegen deiner Nationalität?

Evan Khamo: Nein.

Zeus: Bist du froh, dass du weit weg von der Bedrohung bist?

Evan Khamo: Ich kann nicht froh sein, denn in dieser schwierigen Situation will ich lieber bei meinen Freunden, Eltern und meiner Schwester im Irak sein.

Zeus: Was würdest du denn jetzt im Irak machen?

Evan Khamo: Beten.

Zeus: Was denkst du über die Amerikaner, die dein Land angreifen?

Evan Khamo: Die amerikanische Soldaten sind auf ihre Weise auch Opfer des Krieges, ich gebe ihnen keine Schuld.

Zeus: Kannst du dir vorstellen, dich in ein amerikanisches Mädchen zu verlieben?

Evan Khamo: Ja, warum nicht?

Zeus: Glaubst du, dass die irakische Bevölkerung treu auf der Seite der Regierung gegen die USA kämpfen wird?

Evan Khamo: Die Mehrheit der Bevölkerung wird nicht kämpfen.

Zeus: Was glaubst du, werden die Amerikaner aus deinem Heimatland machen?

Evan Khamo: Ich denke, dass sie meine Heimat endlich von der Regierung befreien, sich sonst aber um das Öl sorgen.

Zeus: Danke, Evan, dass du in dieser schwierigen Zeit unsere Fragen beantwortest hast.