Stadtteilzeitung ”Unsere Stadt”, 
9. Mai 2006

Schülerinnen und Schüler der Unesco-Schule laufen zu, Weltkulturerbe ”Zeche Zollverein”. Auftakt zum 6. internationalen Tschernobyl-Gedenktag

Von Jennifer Humpfle

 
 

Katernberg. ”Zwei unserer Mädchen sind auf der Strecke geblieben", sagt Sportlehrer Löhrmann und lacht. Erschöpft, aber zufrieden, hat er mit seinen rund 40 Schülern Schacht XII der Zeche Zollverein erreicht. Der Lauf von der rund sieben Kilometern entfernten Unesco-Schule, Steinmetzstraße 9, zum Weltkulturerbe ist Auftakt des sechsten internationalen Projekttages zum Thema Sport.

"Ihr könnt euch jetzt umziehen", ruft Sigrid Becker. In wenigen Minuten soll das musikalische und sportliche Programm beginnen. "Eigentlich sollten wir schon um neun Uhr Strom bekommen und nicht erst um kurz vor zehn", ärgert sich die Organisatorin. Pünktlich zur Eröffnungsrede des Schuldirektors, Norbert Kleine-Möllhoff, funktioniert alles.

"Fit, friedlich und fair für eine Welt. Das ist unser Motto", erklärt der Leiter. "Fairplay" sei das Grundgesetz des Sports, welches man auch auf das alltägliche Leben übertragen müsse. "Unsere Schüler und Schülerinnen stammen aus 40 verschiedenen Nationen", berichtet er. Es gäbe zwar auch einige Kabbeleien, aber richig ernst würde es nie. "Integration funktioniert, wenn man die deutsche Sprache als einigendes Band versteht", stellt Kleine-Möllhoff fest. Karl Hußmann, Regionalkoordinator der Unesco-Schulen in Nordrhein-Westfalen, erinnert an den ernsten Hintergrund des Projekttages - das Tschernobyl-Unglück vor 20 Jahren. "Die Eltern waren hilflos. Sie hatten Angst vor verstrahlter Nahrung". Daran sähe man, wie wichtig der friedliche Umgang mit der Natur sei.

"Wir gehören alle zur Unesco-Familie", betont Jolanta Nölle, Geschäftsführerin der Zeche Zollverein. Sie kündigt die Preisverleihung am Ende des Tages an. Belustigt hören die Schüler, dass sie alle einen "Zechen-Schutzhelm" erhalten sollen. Aufsehen erregt dagegen der Hauptgewinn: zwei Karten für das im September stattfindende Comedy-Spektakel. Nun kann das eigentliche Programm beginnen.

Schon erklingen die Anfangstöne des Britney Spears-Liedes ,,Lucky". Die bei den Sängerinnen geben noch zwei weitere Lieder zum Besten. Erste sportliche Einlage ist die Darstellung von Akrobatikfiguren. Höhepunkt ist eine menschliche Pyramide. ,,Jetzt kommt Savas mit seiner Saz", ruft Meryem Varis, Moderatorin, fröhlich. Savas zupft sein Instrument mit Hingabe und begeistert seine Mitschüler. Alle stimmen klatschend in den Takt ein. ,,Es ist nicht einfach, mit dieser eher ungewohnten Musik, Anklang zu finden", bemerkt Sigrid Becker. In Kasachstan kennt man die Saz unter anderem Namen. "Wir nennen sie dombra", erzählen Viktoria (15) und Tanja (18).

Die Stimmung steigt bei Peyruzes Bauchtanz noch an. Dann erklingen ruhigere Töne. Joel Urch spielt Klavier und Hannah AI Kahil geigt dazu. "Hannah spielt demnächst in der Philharmonie", berichtet Sigrid Becker stolz. Schade sei, dass man sie hier nicht so gut höre. Mit einer fetzigen HipHop Einlage fesseln "Kareem and Crew". schließlich restlos alle Zuschauer. "Kareem hatte letztes Jahr die Idee, eine HipHop-AG zu gründen", erinnert sich der gebürtige Marokkaner Taleb, 20. Trotz unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Glaubensrichtungen ergänzen sich die Schüler gut. Typische Klischees verulken sie. Filippos, zum Beispiel, zog vor vier Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. ”Die Mafia wollte euch wohl nicht mehr", stichelt ein Freund - lautes Lachen von allen Seiten.