Mobilität wird für unsere Gesellschaft immer selbstverständlicher. Was jedoch, wenn diese Mobilität nicht freiwillig, sondern durch Krieg und Terror erzwungen ist? Wie gestaltet sich der Umgang mit Kindern, die jeden Kontakt zu Eltern und Heimat verloren haben? Als deutsches Gymnasium nahm die UNESCO-Schule Essen an einer Konferenz der Universität Michigan Teil um Möglichkeiten im Kampf gegen genau dieses Problem zu diskutieren.
 
Am 12. und 13. Juni folgten Leiter von Schulen und Universitäten aus der ganzen Welt der Einladung der University of Michigan, um gemeinsam neue Möglichkeiten im Umgang mit Ungerechtigkeit zu beleuchten. Das Ziel der Konferenz:  Forscher und Praktiker aus der ganzen Welt zusammenzubringen, um gemeinsam Perspektiven für die Zukunft zu diskutieren. 
Im Anbetracht einer global verwurzelten Problematik bot deshalb die Internationalität der Beiträge einen differenzierten und facettenreichen Blick auf die anstehenden Herausforderungen. Ziel der Veranstalter sei, auf diese Weise mögliche Ansatzpunkte für Individuen, Familien und Gesellschaften im Kampf gegen Bildungsungerechtigkeit zu finden. 
 
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Neben zahlreichen internationalen Vorträgen stellte auch Annette Uttendorfer, Schulleiterin der UNESCO-Schule Essen ein Konzept zur Förderung und Integration von Zugezogenen vor. Seit mehr als 25 Jahren ist das Aufbaugymnasium Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse, die hier die Chance auf einen Schulabschliuss haben. „Hierfür reicht es nicht, sie in Deutsch, Mathe und Englisch zu unterrichten“, sagt Schulleiterin Annette Uttendorfer, „Diese Schüler haben ihre Heimat, ihre Freunde, manche sogar ihre Familien verloren und sind nun allein in Essen und haben grausame Situationen wie Krieg oder Einsamkeit erlebt. Teilweise haben sie kaum bis keine Erfahrungen mit dem System Schule  und müssen sich nun in ein Schulsystem eines ihnen vollkommen unbekannten Landes einfügen, ohne Sprachkenntnisse“. 
 
Grundlage dieser Arbeit stellen Vorbereitungsklassen dar, in denen die in Deutschland neu angekommenen Schüler grundlegende Kenntnisse in den Basisfächern, aber vor allem in Deutsch erhalten. Erst nach dieser Vorbereitung, die in manchen Fällen über ein Schuljahr dauern kann, werden die Schüler in Regelklassen eingegliedert. 
Vor allem aber müssen wir flexibel sein, Flexibel in den Methoden, genauso wie flexibel in den Inhalten“, so Annette Uttendorfer, „es reiche nicht, den Schülern Deutsch, Mathe und Englisch zu unterrichten“, ebenso müsse Schule Vorbild, Anlaufstelle bei Problemen, Vertrauter und teilweise sogar Familie sein. Lehrer müssen deshalb die ganzen Person, nicht nur den Schüler in seinem Bildungsfortschritt sehen.“
 
 
Derzeit befinden sich ca. 50 Schüler in den Vorbereitungsklassen der UNESCO-Schule. Viele ihrer Vorgänger haben es bereits bis zum Abitur gebracht - teilweise mit Auszeichnung. Seit Sommer 2017 überarbeitet das Kollegium der Schule das bestehende Konzept der Vorbereitungsklassen, um sich den verändernden gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. 
Denn es gilt weiterhin: „Wir müssen flexibel bleiben!“