Wir sind eine internationale Schule. 40 Nationen gestalten hier alltäglich friedlichen Schulalltag. Wir sprechen viele, verschiedene Sprachen. Und lernen ständig neu Verständigung. Wir haben unterschiedliche Ansichten. Und wir tauschen uns aus, diskutieren, streiten - und lernen Toleranz. Fremdes wird weniger fremd, wenn man sich täglich begegnet.

Wir sind eine Schule der zweiten Chance. Lebenswege, und Bildungswege, verlaufen nicht immer geradlinig. Und kindliche Entwicklungsschritte halten sich nicht an die Vorgaben des Bildungsministeriums.

Kinder und Jugendliche, die in der vierten Klasse die Empfehlung für das Gymnasium nicht bekommen haben, können bei entsprechender Leistung nach Klasse 6, oder mit Qualifikation nach Klasse 10 bei uns den gymnasialen Bildungsweg gehen.
Kinder und Jugendliche, die aus vielfältigen Gründen ihren Bildungs- und Lebensweg in ihrem Herkunftsland abbrechen mussten, können in unseren Vorbereitungsklassen der Mittelstufe Deutsch lernen und bei entsprechender Leistung das Abitur schaffen.

Wir glauben, dass wir mit diesen speziellen Kompetenzen sehr zeitgemäß sind. Besuchen Sie uns!

 

copyright: Ernst Kahl 1988

Montag, 18. März 2002, 9:15 Uhr

Wissen Sie, ich führe hier gerade Klausuraufsicht in einem Fach, von dem ich so wenig verstehe, dass ich mir die Zeit nehmen kann, mal intensiv in die Runde zu schauen - insgesamt 33 Schülerinnen und Schüler, einträchtig versammelt am Busen deutscher Bildung, versuchen sich an Literatur oder einer Bildinterpretation.
In ihrem (vergeblichen) Ringen um Konzentration, ihrer nervösen Ratlosigkeit oder auch dem angestrengten Schreiben, Wegstreichen und links-daneben-Kritzeln sind alle völlig gleich - und doch sitzt da eine Perserin vor einer Spanierin, die sich gerade von einem Polen ein Radiergummi leiht, der seinerseits auf den Klausurbogen einer Russin schielt, die von einem Inder links und einem Marokkaner rechts lose gerahmt wird. Eine deutsche Schülerin grinst hilflos. Vor mir beißt Farhad verstohlen in sein Brötchen mit Holländer ... die Sonne scheint in Raum 307N.
Ein schönes Bild.

 

Die UNESCO-Schule Essen hat sich von der ursprünglichen Aufgabe, die Durchlässigkeit des dreigliedrigen Schulsystems zu gewährleisten, zu einem Gymnasium entwickelt, das besonders den Gegebenheiten der Bevölkerung des Ruhrgebiets Rechnung trägt. Nachdem zunächst die Chancengleichheit im Bildungsbereich für die Kinder der Arbeitnehmerschaft die Zielsetzung war, wurde zunehmend die Förderung der Kinder der ausländischen Arbeitnehmerschaft und der Spätaussiedler als besondere Aufgabe verstanden. Viele dieser Schülerinnen und Schüler sind jedoch inzwischen zweite oder gar schon dritte Generation der vom Ausland Zugewanderten. In letzter Zeit ergab sich dann in der Zusammenarbeit mit der RAA (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher) eine erneute Veränderung des Schwerpunktes vor allem in der S I durch die Einrichtung von Auffangklassen für Schülerinnen und Schüler, die ohne oder nur mit geringen Deutschkenntnissen nach Deutschland gekommen sind und in das deutsche Schulsystem eingegliedert werden müssen.Daher ergibt sich für die UNESCO-Schule Essen eine dreifache Herausforderung und Profilierung:
 
Dies gilt insbesondere
  • für die Bewusstseinsbildung von der Würde und Gleichwertigkeit jedes Menschen

  • für die Achtung und Toleranz der eigenen Person und der der anderen

  • für das Fördern und Einüben des friedlichen Denkens und Handelns auch beim Lösen von Konflikten

  • für die Respektierung der eigenen kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Identität und der der anderen

  • für die Offenheit dem Neuen, Fremden, Andersartigen gegenüber in der Begegnung mit der Mitschülerin und dem Mitschüler

Dieses Schulprofil verlangt ein eigenes Schulprogramm, das vor allem für die Übergangsphasen von anderen Schulformen zum Gymnasium speziell die Einübung in fachwissenschaftliche Methoden und die Vermittlung der im Vergleich zu grundständige Gymnasien noch nicht vorhandene fachwissenschaftliche Lerninhalte abweichend von den Richtlinien festlegt, um dann, vor allem in der Qualifikationsphase der S II, an die allgemeinen Richtlinien der einzelnen Fächer anknüpfen zu können.

Weiterhin verlangt das Schulprofil, dass die einzelnen Fachkonferenzen der internationalen Schülerschaft dadurch gerecht werden, dass die festgelegten Themen und Gegenstände einerseits helfen, die europäische, durch das Christentum und die abendländische Philosophie maßgeblich geprägte Kultur und das daraus hervorgegangene Menschenbild versteh- und nachvollziehbar zu machen, andererseits aber auch den eurozentrischen Standpunkt zu Gunsten eines verstärkten globalen Kontextes aufzugeben und kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen anderer Völker vergleichend mitzubedenken und in synchronen Schnitten in Blick zu nehmen.

In diesem Kontext gewinnen auch die Betriebspraktika der Jahrgangsstufen 9 und 12 an Bedeutung, die den Schülerinnen und Schülern Orientierungshilfen für die sich schnell ändernden Bedingungen und Möglichkeiten der Arbeits- und Berufswelt der Bundesrepublik Deutschland geben sollen.