Ein Wohnortswechsel. Zur Flucht gezwungen. Gemobbt. Unterfordert. Überfordert. Schlechte Erfahrungen. Eine zweite Chance – Hoffnung, dass es besser wird.

Die Gründe zur 7. Klasse noch einmal die Schule zu wechseln sind vielfältig. Eins haben jedoch alle Kinder der Eingangsklasse 7 an der UNESCO-Schule gemeinsam: eine eher "ungerade" Schulbiographie. Schon wieder ist alles neu: die Räumlichkeiten der Schule, die Lehrer und vor allem die anderen Kinder in der Klasse, die ich nicht kenne.

Jetzt gilt es, die Kinder stark zu machen, ihnen zu helfen, sich in der Gruppe zurecht zu finden, Freunde zu finden, sich wohl zu fühlen. Denn nur wer sich wohl fühlt, ist in der Lage zu lernen.

Hier setzt das Konzept "Soziales Kompetenztraining" der UNESCO-Schule Essen unter der führenden Mitarbeit von Maren Gerbracht an. Maren arbeitet im Bereich Lernförderung und Schulsozialarbeit des SKF Essen-Mitte und hat eine riesen Menge Ideen, viel Erfahrung und eine große Wertschätzung für (unsere) Kinder im Gepäck.

Unmittelbar nach Beginn des Schuljahres haben wir Klassenlehrer und Fr. Gerbracht uns mit der neuen Klasse 7 in die Jugendherberge Essen-Werden begeben, um dort eine intensive "Kennenlernwoche" zu verbringen. Auf der Tagesordnung standen unterschiedlichste Programmpunkte: ein erstes Beschnuppern, dann intensiveres Kennenlernen der unterschiedlichen Persönlichkeiten. Spielen, Reden, Kämpfen und Vertragen, Regeln und Respekt, der innere Schiedsrichter. Gemeinsamkeit erleben – beim Schnitzen am Lagerfeuer genauso wie beim Beschimpft werden, wenn mal über die Stränge geschlagen wurde. Ohne viel Theorie haben wir die unterschiedlichsten Methoden, Kommunikationsformen und Regeln aufgestellt und angewendet. Einfach weil wir merkten, dass es uns als Gruppe besser geht, wenn wir einander zuhören und aufmerksam für die eigenen Bedürfnisse und die der anderen sind. Dass das alles sehr viel mit dem Gesamtkonzept unserer Schule zu tun hat, wurde den Schülern spätesten dann klar, als sie in sehr unterhaltsamer Form mit Hr. Fuhrmann den ersten Teil ihres UNESCO-Führerscheins absolvierten.

Sicherlich war es auch anstrengend, sicherlich hat nicht immer alles jedem zu 100% gefallen. Aber am Ende der Kennenlernfahrt war allen Beteiligten klar, dass wir auf einem hervorragenden Weg sind, der noch nicht zu Ende sein durfte. Also wurden in weiteren 6 Einheiten - jeweils eine Doppelstunde pro Woche - die gemachten Erfahrungen vertieft und weiter differenziert. Und es war gut!

Die Bilder, die Sie hier sehen können, sind aus der letzten Doppelstunde der Reihe. Glücklicherweise haben wir dort auch die Zeit gefunden, noch einmal kurz mit Maren zu sprechen und uns ein Feedback von den Schülern abzuholen.

Maren, kannst Du kurz die Ziele des Sozialen Kompetenztrainings zusammenfassen?

Primäres Ziel ist erst einmal, dass sich die Schülerinnen und Schüler besser kennenlernen. Außerdem sollen sie in dem Training die Möglichkeit bekommen, zu erfahren, was sie als Gruppe gemeinsam schaffen können und dabei erleben, wie wichtig und sinnvoll Regeln und gemeinsame Absprachen sind.

Wo hast Du in dieser Gruppe an der UNESCO-Schule den größten Bedarf gesehen?

Aufgrund der besonderen Situation in dieser 7. Klasse sicherlich im Bereich des gegenseitigen Kennenlernens. Es ist wichtig, dass die Kinder merken "hey, ich kann mit jemandem zusammenarbeiten, den ich noch gar nicht so gut kenne". Ich muss aber auch sagen, dass die Gruppe sehr offen und zugänglich war.

Wie hast Du ansonsten die Arbeit mit den Schülern erlebt?

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit dieser Gruppe zu arbeiten, weil es ein sehr netter "Haufen" ist und sie sich fast immer ohne Murren auf alle Übungen und Spiele eingelassen haben. Es gab auch kaum Stress. Wenn es mal zu Konfliktsituationen kam, dann haben die Schülerinnen und Schüler das schnell selbständig untereinander geklärt. Es war schön zu sehen, wie sich der Kontakt untereinander, sowie die Kommunikation miteinander entwickelt hat und wie die Frustrationstoleranz gewachsen ist.

Was würdest Du dir für Deine Arbeit wünschen?

Dass es Leute wie mich als feste Stelle an jeder Schule, für alle Klassen gäbe.

Zum Schluss etwas in eigener Sache. Du warst schon an vielen Schulen. Was ist dir an unserer Schule besonders aufgefallen?

Ich finde es toll, dass ihr mit zwei Klassenlehrern arbeitet. Man bemerkt insgesamt die hohe Identifikation mit der Schule. Ich mag auch die Idee mit dem UNESCO-Führerschein und dass ihr Photos von allen Schülerinnen und Schülern und die Leitsätze der Klasse in eurem Klassenraum hängen habt. Das ergibt zusammen eine sehr persönliche Atmosphäre.

Und das meinten die Schüler zum Kompetenztraining:

"Abwechslungsreich!"

"Wir haben viel im Team gespielt und uns gut verstanden."

"Voll gut. Die Spiele haben Spaß gemacht. Da waren komplett neue Sachen bei."

"Toll. Das Kämpfen fand ich toll."

"Die Gruppe ist gut zusammengewachsen."

"Jetzt sind wir beste Freunde."

"Man hat gelernt, in der Klasse zu arbeiten."

"Manche Spiele waren etwas kindisch."

"Ich fand die Maren sehr nett."

"Ich hoffe, dass Maren wieder zu uns kommt."