Ein Satz aus der Präambel der Verfassung der UNESCO vom 16. November 1945 lautet:
"...da Kriege im Geiste der Menschen entstehen, (müssen) auch die Bollwerke des Friedens im Geiste der Menschen errichtet werden..."

Dieser Satz ist ein wesentlicher Ausgangspunkt für das seit 1953 bestehende, grenzüberschreitende, weltweite Netzwerk der ASP (Associated School Project) UNESCO - Projekt – Schulen. Die Schwerpunkte der UNESCO-Projektschulen sind:

Menschenrechte, Toleranz, Demokratie, Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Globales Lernen, Erwerb interkultureller Kompetenz, Solidarität.

Umgesetzt werden diese Ziele u.a. durch das Überschreiten von Grenzen in Form von Schulpartnerschaften.

Um diesem Ziel an der UNESCO-Schule Essen in einem ersten Schritt nachzugehen entstand die Idee der Entwicklung einer Schulpartnerschaft mit der Schule Bialik Rogozin – International Campus School in Tel Aviv - in enger Zusammenarbeit und Unterstützung mit der Stadt Essen und ihrer Partnerstadt Tel Aviv auf der einen und dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bezirksregierung Düsseldorf im Rahmen des Programmes „Begegnungen mit Israel und Palästina – Schulpartnerschaften NRW – Israel und Palästina“ auf der anderen Seite.

Es sollen die „Lebensbilder“ unserer Schülerinnen und Schüler mit denen der ‚anderen‘ in Israel und Palästina verknüpft werden. Beim näheren Hinsehen zeichnet sich zwischen unseren Schülerinnen und Schülern, den Zielen unserer Schule und Bialik Rogozin eine große Schnittmenge für das Motto der UNESCO „Learning to live together“ ab. Vor diesem Hintergrund besuchten in der Zeit vom 08.-14. November 2015 drei LehrerInnen unserer Schule die unesco-Koordinatorin Sigrid Becker, die Koordinatorin für die Sekundarstufe I Silvia Lichtenstein und Dr. Kirstein die Bialik Rogozin Schule. Dort wurden wir von dem Leiter der Schule Eli Nechama und seinen KollegInnen herzlich aufgenommen und es bot sich uns folgendes Bild:

Mitten in einem Problembezirk der größten israelischen Stadt ist das scheinbar Unmögliche gelungen: eine Schule, in der Kinder aus 48 Ländern der Erde gemeinsam lernen, ein Ort, wo unabhängig von Herkunft, Rasse und Religion jedes Kind seine Chance bekommt. Schon die israelischen Kinder stammen meist aus ärmlichen Haushalten, normale Familienverhältnisse sind die Ausnahme. Doch etwa die Hälfte der Schüler sind Kinder von ausländischen Gastarbeitern oder politischen Flüchtlingen. Eli Nechama skizzierte auch das Profil seiner Schule mit folgenden Bemerkungen: Zu den wichtigsten Zielen der Schule in Tel Aviv gehört es, dass es nicht um Assimilation (Angleichung) der verschiedenen Kulturen an die Kultur des Fluchtziel-Landes, sondern um Anerkennung, Akzeptanz und Toleranz der ursprünglichen Kultur des Flüchtlingskinds gehe. Natürlich sei auch das Erlernen der neuen Sprache im Fluchtzielland nötig, aber ein Aufgeben der ursprünglichen kulturellen Identität solle es nicht geben. „Flüchtlingskinder sollten nicht nur die Sprache ihres neuen Heimatlandes, sondern auch ihre eigene Muttersprache lernen“, so Eli Nechama.

Hintergrundinformation:

Der Bialik-Rogozin Campusin Tel Aviv will Kindern aus Familien in herausfordernden sozialen Rahmenbedingungen und insbesondere Flüchtlingskindern Perspektiven für eine bessere Zukunft geben. Grundlage ist ein umfassendes pädagogisches und soziales Konzept, in dem auch kulturelle Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Die Bialik Rogozin School wird von 1200 Kindern und Jugendlichen aus 51 Nationen besucht.

Ein Ergebnis dieses Austausches wird im Besuch von Eli Nechama 2016 in Essen bestehen und, im Sinne eines hoffnungsfrohen Ausblickes „Nächstes Jahr in Tel Aviv“, sind wir 2016 mit SchülerInnen in die Bialik Rogozin-Schule eingeladen worden.                                              

Kirstein