Neulich fragt mein LK12 mich so nebenbei: „Aber sie mögen uns doch, oder? Sie mögen uns doch?“ – Eine merkwürdige Frage, zumal wenn sie ausgerechnet von Schülerseite kommt. Da ist Vorsicht geboten. Daher die spontane Antwort: „Nö.“

Andererseits – wir waren zusammen auf Kursfahrt! Und entgegen der landläufigen Meinung, dass der Pädagoge ausnahmslos jede Gelegenheit wahrnimmt, auf Staatskosten Unterricht zu vermeiden, fahren die meisten Kollegen, und so auch ich, vorzugsweise mit Lerngruppen auf Kursfahrt, die nicht ganz widerlich sind. Jedenfalls wenn man ein Wahl hat.

Und so war das in diesem Fall: Ich hatte eine Wahl, und ich war freiwillig mit den Kindlein in Prag.

Und das im Winter. Ja, geschneit hat es auch, und das war nicht mal schlecht. Ich persönlich finde ja, Schnee steht Prag. Außerdem hält es die Touristenmassen fern. Ansonsten war es einfach nur unanständig kalt.

Jenun, der sittliche Nährwert einer solchen Fahrt ist klar definiert: Pädagogen bringen einer Auswahl der deutschen Bildungselite europäische Kultur - sagen wir - näher.

Zu diesem Behuf gab es ein auf Grundlage unserer (der Pädagogen) Wünsche minutiös ausgearbeites Kulturprogramm.

Unter Führung und mit sachdienlichen Hinweisen einer ortskundigen Pfadfinderin (sehr empfehlenswert!) haben wir Altstadt und Judenviertel, Hradschin, Kafkas Prag und die Moldau sowie darüberhinaus auch das Konzentrationslager Theresienstadt nicht nur gesehen, sondern wirklich wahrgenommen. Vielleicht sogar Eindrücke mitgenommen. Unterricht wurde zum Lokaltermin, zitier' ich mal fröhlich den Kästner Erich. –

19 GruppeIm Vorfeld der Fahrt hatte es einige wirklich unvergessliche Schüleraussprüche gegeben, die hier zwar nicht wiederholt werden sollen, die den kulturbeflissenen Erwachsenen aber vorab nichts Gutes erahnen ließen. Und obwohl ich natürlich eigentlich ein Muster an professioneller pädagogischer Gleichmut bin, müssen mir damals angelegentlich meine Gesichtszüge doch entgleist sein, denn ich erinnere mich daran, dass der LK daraufhin vollmundig versprach, man würde mich „auf der Kursfahrt überraschen!“ – und ich war selbstverständlich kein Schelm und dachte Böses dabei.

Jetzt aber mal Spass beiseite: nach zehn Stunden Busfahrt, einem kurzen, gehetzten Geländespiel durch die – zu dem Zeitpunkt noch unerforschte – Altstadt Prags (mit 40 Rollkoffern über Kopfsteinpflaster - ich erspare uns jetzt eine Metapher, die dem werten Leser einen Eindruck von dem martialischen "Geräusch" vermittelt) und dem ganzen Gewurschtel beim Einchecken von ca 40 SchülerInnen erfüllt es den ermatteten Erzieher schon mit Freude, wenn einem auf dem Weg zum Lehrer-Einzelzimmer Schüler entgegenkommen und strahlen: „Unsere Zimmer sind der Hammer!“ – Das gibt wieder Kraft!

Oder wenn man im Veitsdom steht und solche Gesichter sieht:

 

 

Dafür lohnt sich doch der Einsatz, finden Sie nicht? – Nun gut, der Ehrlichkeit halber muss man auch sagen: man erreicht nicht jeden. Aber einige. Einzelne. Wir waren mit Schülern in einem Gershwin Konzert in der Spanischen Synagoge. Das wollten die. Freiwillig. Ohne Bestechung. Und das heisst für mich: Mission accomplished.