Am Strand von Tel Aviv – Jaffa stehen und sehnsuchtsvoll den Blick auf das Mittelmeer schweifen lassen. Vom Grab Samuels mit freudigem Herzen die goldene Kuppel des Felsendoms in der Altstadt von Jerusalem schimmern sehen. Dies sind zwei Impressionen der Schülerinnen und Schüler der UNESCO-Schule Essen und ihrer Partnerschule Bialik Rogozin aus Tel Aviv, die in der Zeit vom 11. – 18. November 2016 zusammentrafen.

Die Schüler begegneten sich so, als ob sie sich schon lange gekannt hätten, offenherzig, fröhlich und neugierig aufeinander. Highlights der Begegnungen waren das gemeinsame Erkunden und Studieren der Graffiti-Kultur im Florentine-Viertel von Jaffa, der Besuch Jerusalems mit den heiligen Stätten der Juden, Christen und Muslime, der Yehuda-Markt mit seinen Kräutern, Gewürzen und Früchten in Jerusalem und der Studientag in der nationalen Gedenkstätte Yad Vashem, das gemeinsame Ernten der Orangen im Kibbutz Shiller, die der Armenfürsorge zugute kommen. Am Gedenktag für den 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin gestalteten die Schüler beider Schulen eine lebendige Erinnerungskultur, die sich den gemeinsamen Zielen „No racism – time for tolerance“ verpflichtet wussten. In diesem Rahmen wurden die Delegationen der beiden Schulen vom Vorsitzenden des Tel Aviv Stadtrates Nathan Wolloch begrüsst und eingeladen, der v.a. den friedenstiftenden Ertrag durch das gemeinsame Begegnen und Austauschen und das Abbauen von Vorurteilen in seiner Ansprache hervorhob. Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen beginnt im Herzen und führt zu gemeinsamem Handeln. Antisemitismus und Rassismus haben hier keinen Platz, das erlebten die Schüler beider Schulen eine Woche lang beim gemeinsamen Tanzen, Singen, Essen und Diskutieren und damit eine der zentralen Säulen der UNESCO „Learning to live together“ verwirklichen. Das mitunter schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Juden rückte während des Studientages in Yad Vashem in den Mittelpunkt. Deutlich wurde u.a., dass in der NS-Zeit wie heute insbesondere die Täter und Mitläufer eine Wahl hatten gegenüber ihren Opfern, dass es ein Leben vor, während und auch nach der Shoah gab und gibt. In der Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden George Shefi wurden die Brüche im Leben deutlich, aber auch die Fähigkeit nicht auf Dauer zu verstummen. So wurde die 1966 erhobene Forderung Adornos, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, zu einem lebendigen Bezugspunkt aktueller Intoleranz und gegenwärtigem Rassismus gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden, da jeder zu einem Flüchtling werden, der Heim, Familie und z.T. seine Identität verloren hat und hofft auf eine offene Gesellschaft zu treffen, die ihm eine zweite Chance gibt. Genau diese Erfahrungen machten die Schüler der UNESCO-Schule Essen und der Bialik Rogozin Campus International Schule miteinander.

Ein Austausch, der auch durch die Städtepartnerschaft von Essen und Tel Aviv möglich geworden ist. Zudem wird Anfang April 2017 in der UNESCO-Schule eine mit der Präsentation des Buches von Norbert Kron über die Bialik Rogozin-Schule und die Schulpartnerschaft mit der UNESCO-Schule verbundene Diskussionsveranstaltung der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Integration, Schule und Beheimatung stattfinden. Bereits Ende März 2017 freut sich die Schulgemeinschaft der UNESCO-Schule ihre Partner und Freunde hier im Ruhrgebiet begrüßen zu können, die nun eines nicht mehr sind: strangers no more.